Breaking the Wall: 308 km/h im Cadillac CTS-V Sport Wagon
Geräumiges Heck für schnelle Rocker

Cadillac rockt!


In diesem Herbst komplettiert Cadillac seine CTS-V Serie um einen Sport Wagon. Wir konnten bereits in und um Berlin eine kurze Testfahrt unternehmen und versuchten zwischen Staus und Großstadtbaustellen die 300 km/h Schallmauer zu erreichen.


Cadillac, seit der Insolvenz des Importeurs Kroyman's nun mit einer kleinen, aber schlagkräftigen Gruppe aus der Schweiz aktiv, um verlorenes Terrain zurück zu erbobern.

Sicher, das Design der aktuellen Modelle polarisiert, aber das ist gewollt und gut. Ein Cadillac ist kein Mainstream Fahrzeug und er will es auch nicht sein. Besonders die "V"-Modelle zeigen dies äußerst deutlich.


Egal ob Sedan, Coupe oder im neuen Sport Wagon, alle haben eines gemeinsam - den 6,2 Liter großen V8 mit Kompressor-Aufladung. Dieser wurde aus dem Supersportwagen Corvette ZR1 implantiert. Allerdings hat man die Leistung von 641 PS auf 564 PS "gedrosselt". Das ist in der Praxis aber völlig nebensächlich. Der Motor, nein, die Maschine, böllert im Cadillac genauso gut und lässt bei automobilen Enthusiasten die Härchen am Arm aufrecht stehen. Gruß an die Soundingenieure, Aufgabe perfekt erledigt. Mit der 300 km/h Schallmauer wirds schwierig bei gefühlten 20 km/h im Dauerstau in Berlin Mitte. Dennoch fühlen wir uns im 14fach verstellbaren Recaro-Leder-Sportsitz wohl und umklammern das Wildlederlenkrad, dessen Bezug ausschaut und sich anfühlt, als entstamme es einem 70er Jahre F1 Boliden. Genial. Die Automatik schaltet butterweich und macht das langsame Rollen mit dem sonoren Sound zum Erlebnis. Im Rückspiegel entdecken wir einen Zuffenhausener, der sich seit einigen Ampelschaltungen kleine Startrennen suchte. Nun stand er neben mir, schaut rüber und denkt wohl zuerst "Naja, ein Kombi mit breiten Walzen", klar, die satt zupackende Brembo-Bremsanlage braucht Raum. Ich schau rüber und denke "Junge, wenn du bei deiner schicken Begleitung nicht als Verlierer dastehen willst, lass es einfach". Ich vernehme eine Art Gasstoss von rechts, antworte mit einem kurzen Brüllen des 747 NM-V8, worauf der smarte Sportwagenpilot wohl die Hutze auf der Haube entdeckte, die dort nicht zum Spaß ist, worauf er dann wie ein 70 PS Corsa losrollte.

Gut das wir uns nicht auf einer freien Autobahn getroffen haben. Er, festgezurrt in Schalensitzen, das Weiße im Auge und das Lenkrad fest umklammert auf der Jagd in Richtung 300 km/h und wir fahren vorbei. Mit "Born in the USA" vom "Boss" im Player und haben noch Omas Schränkchen vom Umzug der Tochter auf der Ladefläche.


Wir denken, Cadillac hat das Zeug um in Europa wieder Fuß zu fassen. Das Vorurteil "Naja, es ist eben ein Ami" trift nicht auf diesen Wagen zu. Die Verarbeitung ist exzellent, der Fahrkomfort dank "Magnaride" gehört zu den Besten in dieser Klasse. Dazu der Preis, der weit unter deutschen Premium-Produkten liegt. Einziger Wehrmutstropfen, solch ein brutales Tier hat leider auch einen brutalen Durst. Der Spritverbrauch ist nicht schön, liegt selbst bei schonender Fahrweise jenseits der 15 Liter, aber der Sound und das Fahrgefühl sind jeden Tropfen wert.


Text + Fotos: BS

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