Time Machine
Wir nähern uns dem Veranstaltungsgelände nahe Chicester in der
Grafschaft West Sussex standesgemäß in einem Jeep, Hauptsponsor des
diesjährigen Goodwood Revivals und Jubilar. Vor 75 Jahren entstand der erste
„JEEP“, der die Alliierten damals mobil machte.
Unsere Fahrt führt uns durch ein Gelände das in schwarz-weiß aussieht,
als käme gleich Miss Marple um die Ecke. Stattdessen kreuzt ein alter
Roadmaster Doppeldeckerbus unseren Weg. Nach einer nicht endenden Schlange zum
Parkplatz stehen wir nun vorm Eingang und bewundern das tolle Arrangement
mehrerer Willy’s Jeep mit Tarnnetz drüber und Menschen in zeitgenössischer
Kleidung. Plötzlich vernehmen wir aber ein anderes, fast bedrohlich wirkendes
Wummern diverser Motoren. Wir sehen uns um und entdecken nur wunderhübsche
50er/ 60er Jahre Bristol und Austin und auf einmal ist dieser irre dumpfe Sound
über uns. Fünf Spitfire-Maschinen, die in diesem Jahr ebenso ihr 75. Jubiläum
feiern, donnern über unseren Kopf hinweg.
Um uns herum sind Männer in Tweedjacken und Damen in Pelz und Stola.
Armeekrankenschwestern und Männer in alten Offiziersuniformen winken fröhlich
dazu. So als würde die Royal Air Force gerade erfolgreich von der „Luftschlacht
um England“ zurückkehren.
Wo sind wir hier?
Das Goodwood Revival, eine Mischung aus historischem Rennsport und
einer Militär- und
Flugzeugausstellung unter freiem Himmel ist das Mekka für Classic Cars affine
Menschen, die mal ein Wochenende ohne iPhone auskommen. In dem 100% historisch
belassenen Gelände, inklusive originaler Boxengasse, richtet Charles
Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara, Freunde dürfen „einfach“ Lord March
sagen, seit 1998 im Herbst diese wunderbare Veranstaltung aus.
Es sind nicht die gezeigten Pretiosen wie Ferrari 250 GTO, von jedem Typ
einer, also mit 2 und 3 Kühlschlitzen, einer in der 330er Karosse, originale
Cobra Daytona oder die beiden Ford GT40 Prototypen, die es so unverwechselbar
machen, es ist die Atmosphäre. Allein der Zutritt ins begehrte Fahrerlager, zu
dem nur sehr schwer Karten zu erhalten sind, ist nur Personen in stilechter
Kleidung gewährt. Und im Gegensatz zu Veranstaltungen hierzulande, wo wieder
nur manche sich daran halten und andere, besonders ältere Männer in
pinkfarbenen Polohemden bekannter Premium-Schneider mit hochgestelltem Kragen
sich selbst für zu lässig halten, sich zu verkleiden, macht es hier jeder. Und
das Verrückte – es haben alle Spaß dabei.