Chinatown zum Spielen!


Wer den Film "Chinatown" mit jack Nicholson mag, wird mit Hochspannung den Crime-Thriller L.A. Noire von Rockstargames und Team Bondi erwartet haben. Oftmals können gerade große Titel die Erwartungen nicht erfüllen. Wie ist das bei L.A. Noire?

Wir verzichten ausnahmsweise auf den Spannungsbogen und sagen es direkt: Grandios!

Aber warum sind wir dieser Ansicht, um was geht es in diesem Spiel?

Die Kulisse spielt im L.A. der 40er Jahre. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Cole Phelps, einem Streifenpolizisten der Karriere machen möchte.

Schnell steigt Phelps von der Streife zum Detective im Verkehrsdezernat auf. Er muss Fälle lösen und wird dabei stetig von einem Kollegen begleitet, den man auch um Rat fragen kann. Die einzelnen Fälle sind der Mittelpunkt des Spiels. Für jeden gelösten Fall gibt es Punkte, die Cole Phelps aufsteigen lassen. Nun zu denken, dass war doch alles schon einmal da, es ist nur die Neuinterpretation eines Adventures, irrt gewaltig.


Am Tatort müssen Beweise gesichert, Zeugen befragt und logische Überlegungen angestellt werden. Mühevolle Kleinarbeit, anstatt rasantes Arcade-Geplänkel.

Sicherlich kann einem der lineare Ablauf der einzelnen Fälle nach einer Weile ermüden, also Beweise sammeln die in ein Notizbuch eingetragen werden, man möchte allerdings keine jede Minute des Spuels vermissen. Allein die Zeugenbefragungen haben es in sich. Von Schauspielern wurde die Mimiken per Motion Capture Verfahren mit mehreren Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen. Mit diesen Daten ist es nun erstmals möglich, bei einer virtuellen Figur, Gefühlszustände wie Freude, Trauer, Lüge, Wahrheit, realistisch umzusetzen. Und das ist wichtig. Zeugen und Verdächtige werden anhand der gemachten Notizen befragt. Am Ende hat der Spieler drei Möglichkeiten den Fortgang des Spiels zu beeinflussen. So muss man entscheiden, ob der Verhörte gelogen hat oder die Wahrheit sagt. Auch das Anzweifeln einer Aussasge ist möglich. Hier gilt es, den Verhörten bei seiner Aussage genau zu beobachten. Ist er cool bei seiner Antwort oder beißt er sich nervös auf die Unterlippe? Dies könnte ein Anzeichen für eine Lüge sein. Nur wer die richtige Lösung erahnt, kommt bei der Aufklärung des Falls einen entscheidenden Schritt voran. Es empfiehlt sich nicht jemanden als Lügner zu bezeichnen, der die Wahrheit sagt. Dieser wird nun keine weiteren Auskünfte erteilen.


Und allein diese Befragungen, die filmreif inszeniert sind, fesseln ungemein. Man möchte, nein man will, unbedingt den Fall lösen und die Wahrheit aus den lebendig anmutenden, virtuellen Personen kitzeln.

„L.A. Noire bezieht seine Inspiration aus einer reichhaltigen Geschichte, und zwar nicht nur aus Filmen, sondern auch aus großartiger Kriminalliteratur”, so Sam Houser, Gründer von Rockstar Games. “Wir haben das Spiel als Sprungbrett benutzt und mit den besten Autoren des Genres zusammengearbeitet, um Storys zu erschaffen, die den besten Traditionen der Kriminalliteratur gerecht werden.”

Der Hintergrund fällt dazu leider manchmal etwas ab. Es gibt Sequenzen im Spiel, die erinnern an die Optik von vor einigen Jahren, aber insgesamt ist es eine hochklassige Umsetzung. Die Stadt ist überiwegend frei befahrbar und wer nun die Action-Szenen sucht, der wird auch fündig. Zusätzlich zu den Hauptfällen gibt es immer wieder kleinere Scharmützel. Verfolgungsjagend zu Fuss und im Auto, Schießereien und Schlägereien gehören einfach zum Alltag eines Polizisten.


Gamer mit sehr guten Englisch-Kenntnissen sind klar im Vorteil, da das Spiel nur in englisch vertont ist. Zwar werden deutsche Untertitel eingeblendet, das lenkt allerdings vom Beobachten der Personen ab.



TESTED-Fazit:

Rockstar Games verstand es, eine völlig neue Game-Interpretation zu schaffen. L.A. Noire ist nicht nur ein Spiel, es kommt dem Traum vom völlig interaktiven Film verdammt nah. 

Trotz der Gesamtlänge (21 Fälle + 40 Straßenmissionen) ist es ideal für den Gamer über 30 mit wenig Freizeit geeignet, der ein anspruchsvolles Game sucht. Die Steuerung ist schnell verstanden und wird auch ständig als Hilfe eingeblendet. Zwar spielt man eine komplette Polizeikarriere durch, aber die Fälle sind in sich abgeschlossen. Dadurch kann man zwischendurch mal schnell ein bis zwei Fälle lösen und sich dann wieder um die Familie kümmern. Perfekt!


Text: BS / Fotos: Rockstar Games